Like a bird auf der NEONYT 2020

Like a bird auf der NEONYT 2020

Auch in der Saison 2020 waren wir vom 14.01-16.01. auf der NEONYT, der Messe für nachhaltige Mode, in Berlin vertreten.

Eine wesentliche Neuerung: neben der neuen Location, dem Hangar 4 des Berliner Flughafens Tempelhof, wurde auch die kommerzielle Modemesse „Panorama“ mit der „NEONYT“ auf dem Gelände zusammengeführt.

Eindrücke und Empfindungen hierzu im firmeninternen Interview  mit Tanja Kliewe-Meyer, Founderin und CEO von „like a bird.“

Tanja, wie empfandest du den Zusammenschluss von Panorama und NEONYT auf einem Gelände? Welche Vorteile oder ggfs. auch Nachteile haben sich hier für dich ergeben?
Ich habe den Zusammenschluss als absolut positiv empfunden, unter anderem auch dadurch, dass es den Fachbesucher*innen bezüglich der Anreise leichter gemacht wurde – es gab so zur Fashion Week nur noch zwei HOTSPOTS – NEONYT/Panorama und Premium. Den kommerziellen Einkäufer*innen wurde somit der Schritt leichter gemacht, „einfach mal zur nachhaltigen Messe rüber zu gehen“, statt dafür nochmal einen extra Weg auf sich nehmen zu müssen. Das Thema Nachhaltigkeit wächst zwar, erscheint aber vielen kommerziellen Händler*innen, trotz der aktuellen medialen Wirkung, noch suspekt. Wir konnten einen doppelten Zuwachs an potentiellen Kunden bei uns am Messestand verzeichnen und sind somit rundum zufrieden mit der NEONYT in Tempelhof.

Ein Hauptaspekt der NEONYT dieses Jahr, war der Blick auf die CO2 Emissionen, an denen die Textilindustrie weltweit immerhin einen Anteil von 10% hat. Was glaubst du, wie können wir es schaffen, gerade in der Modebranche bewusster zu produzieren und die Emissionen einzuschränken?
Wir müssen immer und immer wieder die gesamte textile Kette unter die Lupe nehmen und überdenken. Von der Faserherstellung bis zum fertigen Produkt (und seiner Entsorgung).
U.a. verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, wie es die NEONYT durch ihre Fokussierung auf das Thema gemacht hat, ist sehr wichtig für die Sensibilisierung der Verbraucher*innen. Dazu müssen wir Hersteller*innen zur Minderung, mehr und mehr ressourcenschonende, innovative Alternativen, wie z.B. unsere Rosenviskose und unser Kaffeekarbon einsetzen. Dies sind nur zwei Aspekte eines sehr vielschichtigen Themas, zu dem jeder von uns Menschen gefragt ist, seine persönlichen Verbrauchs- und damit verbundenen Konsum-Verhaltensweisen zu ändern.

Wir sind inzwischen auch bereits das 2. Mal auf der NEONYT vertreten. Erkennst du einen Umbruch? Wird das Thema Sustainable Fashion deiner Meinung nach anders wahrgenommen als vor 2 Jahren?
Ja, auf jeden Fall ist in dem Bereich eine Entwicklung zu erkennen. ENDLICH! Die Firma habe ich das erste Mal vor 10 Jahren schon mit dieser Idee gegründet. Damals hat es aber leider noch niemanden interessiert und aufgrund dessen musste ich, um wirtschaftlich überleben zu können, eine mehrjährige Schleife im kommerziellen, nicht so umweltbewussten, Markt drehen. Daher finde ich es mega, dass wir, wenn auch sehr sehr schleppend, heute einen echten wirtschaftlichen Ansatz mit unserer Neufokussierung auf Nachhaltigkeit haben. Allein die Verdopplung der Besucherzahl auf der NEONYT spricht schon dafür. Daneben gibt es eine Studie der Textilwirtschaft aus Oktober 2019, die analysiert hat, dass die Sensibilisierung und das damit verbundene Interesse der Handelskunden für dieses Thema um ein vielfaches gestiegen ist.

Bist du zufrieden mit den Reaktionen und Empfindungen, die Dir in den letzten Wochen entgegengebracht wurden? Wie gehst du mit negativen, kritischen und/oder provokanten Meinungen um?
Kritische Meinungen gibt es immer und überall. Ich finde es persönlich wichtig, dass etwas getan wird und wir durch das, was wir tun, Veränderungen herbeiführen. Es ist alles ein Prozess, in dem auch immer wieder Fehler gemacht werden. Dazu sind wir alle Menschen und Fehler sind menschlich. Bei uns gibt es z.B. kein einziges Teil in der Kollektion, welches nicht zertifiziert ist. Dennoch ist uns bewusst, dass man mit Zertifizierungen vorsichtig sein muss und alles nochmaligen Überprüfungen aussetzen sollte. In den meisten Fällen tun wir das auch im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir sind ein kleines Unternehmen mit nur 3 Mitarbeiter*innen hier in der Zentrale vor Ort.
Wir geben jeden Tag unser Bestes, um mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt eine nachhaltige Kollektion auf die Beine zu stellen und damit als positives Beispiel für viele mit vorauszugehen. 
Bei genauerer Betrachtung sind auch bei augenscheinlich perfekten Menschen Lücken und Fehler zu finden, wenn man nur lange genug sucht. Uns liegt diese Verhaltensweise fern. Wir konzentrieren uns in erster Linie auf uns und versuchen uns immer weiter zu entwickeln und von Saison zu Saison unser Profil immer wieder neu zu finden, zu schärfen und zu fokussieren.

Der Wunsch nach nachhaltiger Mode schient laut Medien immer größer zu werden. Aber kommt dieser auch im Kleiderschrank der Konsument*innen an? Wenn nicht, was muss hier noch passieren?
Leider ist es insgesamt ein immer noch viel zu geringer Anteil der Bevölkerung, der wirklich nachhaltig unterwegs ist. Politik und Medien spielen da ein große Rolle, um das Thema den Endverbraucher*innen näher zu bringen! Dadurch wird auch die Industrie durch entsprechende Gesetzte gelenkt, mehr auf unsere Ressourcen zu achten. Für mich ein positiver Kreislauf, der durch immer wieder kehrende Präsenz zum notwendigen Wachstum für alle führen wird. Wir müssen nur alle, so konsequent es jedem möglich ist, an dem Thema dran bleiben. Dann wird sich alles weiter so positiv entwickeln.

Dieses Interview wurde von Maike Steckling geführt, Online-Marketing Managerin von like a bird.
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Datum

25. Januar 2020

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